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News 3 Monate zurück
13.07.2016, 23:33 Uhr | Dr. Klaus Sack, LSBB Vorstandsmitglied
LSBB zur Präsentation der Rahmenstrategie 80plus „Gesundheitsversorgung und Pflege im hohen Alter“ der Senatsverwaltung für Gesundheit und Soziales
Konkretisierung notwendig
Am 12. Juli 2016 fand im Evangelischen Krankenhaus Königin Elisabeth Herzberge (KEH) die Abschlussveranstaltung des Dialogprozesses 80plus „Gesundheitsversorgung und Pflege im hohen Alter“ statt.
Das von der Senatsverwaltung für Gesundheit und Soziales initiierte Vorhaben begann im März 2015 mit der Veröffentlichung eines umfangreichen und sehr konkreten Diskussionspapiers. Unter Einbeziehung von fachkompetenten Vertretern aus ambulanten und stationären Einrichtungen, Wissenschaftlern, Partnern von Krankenkassen sowie Interessenverbänden und nicht zuletzt von Seniorenorganisationen und -vertretungen und Betroffenen selbst mündete der Diskussionsprozess in drei Fachdialoge, Beratungen von Arbeitsgruppen, einem Gesundheitsforum sowie einer „Konferenz der Älteren“.

Die Veranstaltung am 12. Juli 2016 hatte das Ziel, nunmehr die Rahmenstrategie für eine optimale gesundheitliche und pflegerische Versorgung hochaltriger Menschen vorzustellen. Der Senator für Gesundheit und Soziales, Herr Mario Czaja, wies in seinem Eingangsstatement darauf hin, dass die Zahl der über 80-Jährigen von derzeit 170.000 auf 263.000 in den nächsten 14 Jahren steigen werde. Er dankte allen Akteuren für ihren Beitrag im Diskussionsprozess und bei der Erarbeitung der Rahmenstrategie. Ausgehend von den im Diskussionspapier aufgeführten sieben Handlungsfeldern stellten die jeweiligen Sprecher/innen Lösungsansätze aus ihren Arbeitsgremien vor. Alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Tagung hatten in der Pause die Möglichkeit, die aus ihrer Sicht entscheidenden Schwerpunkte in den dargestellten Lösungsansätzen an Tafeln zu kennzeichnen.

In der anschließenden Podiumsdiskussion, an der neben Senator Czaja, Akteure aus den o. g. unterschiedlichen Bereichen – darunter Frau Ingeborg Simon für den LSBB – teilnahmen, wurde deutlich, welche Probleme trotz der erreichten Fortschritte noch einer Lösung bedürfen. Das betrifft u. a.
  • die Erhöhung der Anzahl von Ärzten mit geriatrischer Qualifikation,
  • den Ausbau der geriatrischen Versorgung,
  • die weitere Verbesserung des Entlassungsmanagements aus dem Krankenhaus,
  • die Vernetzung von stationärer und ambulanter im Sinne einer integrierten Versorgung,
  • mehr Transparenz bei der Versorgung am Lebensende und
  • die weitere Verbesserung der Mobilität sowie der Aus-, Fort- und Weiterbildung.
Wie schon im Diskussionspapier dargestellt, zeigte sich auch im Podium wie zuvor im gesamten Dialogprozess, dass ein besonderes Augenmerk auf die Schnittstellen und Übergänge in der Versorgung gelegt werden muss. Die gesundheitliche und pflegerische Versorgung hochaltriger Menschen erfordert ein komplexes Vorgehen unterschiedlicher Verantwortungsbereiche und stellt damit auch hohe Anforderungen an den Führungsprozess.

Aus Sicht des LSBB bestätigen wir, dass in Berlin einerseits bereits ein gut ausgebautes Netz von Altenhilfe-, Betreuungs- und Entlastungsangeboten, von Stadtteilzentren und Fördermöglichkeiten des individuellen und gesellschaftlichen Engagements für Seniorinnen und Senioren generell besteht. Andererseits übersehen wir nicht noch bestehende Mängel in der Versorgung, in der Kooperation der unterschiedlichen Leistungserbringer und in bestehenden Strukturen. Auch nach Vorstellung der Lösungsansätze auf dieser Tagung ist nicht genügend erkennbar, wie die Umsetzung aller Vorschläge und Maßnahmen erfolgen soll. U. E. ist es notwendig, konkrete Verantwortlichkeiten und Termine festzulegen. Zu kennzeichnen sind die Bedingungen zur Umsetzung bis hin zur finanziellen Absicherung. Die Komplexität des Vorhabens erfordert auch Aussagen zu Kontrollmechanismen und Festlegungen dazu, über welchen Zeithorizont sich die Maßnahmen erstrecken sollen. Der LSBB mit seinen Mitgliedern der Seniorenvertretungen und -organisationen als Repräsentanten der Interessen auch der hochaltrigen Seniorinnen und Senioren sind bereit, sich auch weiterhin für die Belange der Älteren aktiv einzusetzen, erwarten aber zugleich, dass die Rahmenstrategie durch genannten fehlenden Aspekte vervollständigt wird.

Berichte und Informationen zum Dialog 80plus der Senatsverwaltung für Gesundheit und Soziales (= Externer Link https://www.berlin.de/sen/gessoz/80plus/)

Bessere Versorgung im hohen Alter: Senator Czaja stellt Ergebnisse des Dialogprozesses 80plus vor (Pressemitteilung vom 12.07.2016) (= Externer Link https://www.berlin.de/sen/gessoz/presse/pressemitteilungen/2016/pressemitteilung.496849.php)